5. August 2026, 15:00
Klinikprozesse reagieren sensibel auf Änderungen an Personal, Räumen, Wegen und Kapazitäten. Prozesssimulation macht diese Wechselwirkungen vor der Umsetzung sichtbar und messbar.
Jede dieser Maßnahmen kann sinnvoll sein. Ob sie im Klinikalltag tatsächlich wirkt, hängt jedoch von angrenzenden Prozessen und gemeinsam genutzten Ressourcen ab.
Hier setzt die diskrete Ereignissimulation an. Sie bildet Abläufe über die Zeit ab und berücksichtigt, wann Patientinnen und Patienten eintreffen, wie lange einzelne Schritte dauern, welche Ressourcen gleichzeitig benötigt werden und wo Warteschlangen entstehen. Damit entsteht ein dynamisches Modell des Systems, in dem sich geplante Veränderungen prüfen lassen, bevor sie in den realen Betrieb eingreifen.
Eine umfassende wissenschaftliche Übersicht über 231 Publikationen zeigt, dass die diskrete Ereignissimulation im Gesundheitswesen überwiegend für operative Fragestellungen eingesetzt wird. Rund die Hälfte der untersuchten Anwendungen zielte auf Zeit- und Effizienzkennzahlen. Notaufnahmen waren der am häufigsten untersuchte Bereich (siehe Quelle 1).

Klinikabläufe folgen selten einem konstanten Takt. Ankünfte schwanken, Behandlungszeiten variieren, dringliche Fälle verändern Prioritäten und Personal oder Räume werden von mehreren Prozessen beansprucht. Ein Durchschnittswert kann diese Situation nur unvollständig beschreiben. Er zeigt zum Beispiel nicht, ob mehrere Ressourcen zur gleichen Zeit benötigt werden oder ob kurze Belastungsspitzen eine lange Warteschlange auslösen.
Auch lokale Verbesserungen können unerwartete Folgen haben. Wird die Aufnahme beschleunigt, kann sich der Engpass in die Diagnostik oder in den nachgelagerten Behandlungsbereich verschieben. Mehr Betten helfen nur dann, wenn Personal, Medizintechnik und unterstützende Prozesse die zusätzliche Kapazität bedienen können. Eine Simulation verbindet diese Abhängigkeiten in einem gemeinsamen Systemmodell.

Für Projekte im Gesundheitswesen nutzen wir Autodesk FlexSim und die auf patientenbezogene Abläufe ausgerichtete Umgebung. Patientenschritte können nach Merkmalen wie Dringlichkeit, Diagnose oder individuell definierten Kriterien modelliert werden. Zeitliche Schwankungen lassen sich über statistische Verteilungen abbilden, während Personal, Räume, Geräte und Wege als begrenzte Ressourcen in das Modell eingehen.
Typische Fragestellungen sind:
Autodesk FlexSim stellt für die Auswertung unter anderem Kennzahlen zu Wartezeiten, Auslastungen und definierten Meilensteinen im Patientenprozess bereit. Mit dem Experimenter lassen sich Szenarien und Parameterkombinationen automatisiert durchlaufen.

Ein Simulationsprojekt beginnt nicht mit der Software, sondern mit einer klaren Entscheidungsfrage. Der erforderliche Detaillierungsgrad ergibt sich daraus, welche Varianten verglichen und welche Kennzahlen beurteilt werden sollen.
Die 3D-Darstellung unterstützt die Abstimmung mit medizinischen, pflegerischen und betrieblichen Beteiligten. Wege, Raumnutzung und Ressourcenkonflikte werden anschaulich. Eine überzeugende Animation ist jedoch noch kein Qualitätsnachweis. Belastbar wird das Ergebnis durch geeignete Daten, transparente Annahmen, Validierung und eine statistisch saubere Auswertung.

In einem Projekt sollte untersucht werden, wie zehn Operationssäle mit autonomen mobilen Robotern (AMR) versorgt werden können. Im Mittelpunkt standen die erforderliche Fahrzeuganzahl, die Nutzung eines Aufzugs und mögliche Engpässe auf gemeinsam genutzten Verkehrswegen.
Das Ergebnis unter den modellierten Bedingungen: Die Versorgung konnte mit neun Fahrzeugen abgebildet werden, und ein Aufzug war ausreichend. Gleichzeitig zeigte das Modell kritische Begegnungspunkte im Layout. Dort konnten sich Fahrzeuge gegenseitig behindern, obwohl die rechnerische Gesamtkapazität ausreichte.
Der Fall verdeutlicht, warum eine reine Kapazitätsrechnung häufig zu kurz greift. Fahrzeugzahl, Aufzug, Routing und konkrete Wegesituation mussten gemeinsam betrachtet werden. Das Ergebnis gilt für die im Projekt definierten Daten und Annahmen. Es ist keine allgemeine Vorgabe für andere Kliniken.

Eine vertiefte Untersuchung ist besonders sinnvoll, wenn:
Nicht jede Fragestellung benötigt ein umfangreiches Modell. In einem ersten Gespräch lässt sich klären, ob eine einfache Analyse ausreicht oder ob die Wechselwirkungen eine dynamische Simulation erforderlich machen.
Die Simulationssoftware Autodesk FlexSim stellt die Modellierungs- und Analysewerkzeuge bereit. Die Qualität der Entscheidung hängt davon ab, wie die Fragestellung übersetzt, das Modell abgegrenzt, Daten geprüft, Szenarien definiert und Ergebnisse interpretiert werden. Darin liegt die Ingenieurleistung.
Das Ingenieurbüro für Prozesssimulation Sebastian Hemmann begleitet Kliniken und Projektteams von der ersten Aufgabenklärung über den Modellaufbau bis zur Auswertung. Je nach Bedarf übernehmen wir das vollständige Simulationsprojekt, unterstützen bei einzelnen Arbeitsschritten oder befähigen interne Teams durch Schulung, Coaching und Support zum eigenständigen Einsatz von Autodesk FlexSim.
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1. Vázquez-Serrano, J. I., Peimbert-García, R. E. & Cárdenas-Barrón, L. E. (2021): Discrete-Event Simulation Modeling in Healthcare: A Comprehensive Review. International Journal of Environmental Research and Public Health, 18(22), 12262.
2. FlexSim-HC-Produktinformationen
3. FlexSim-Fallstudie Better Decisions in the Emergency Department
4. FlexSim-Fallstudie Getting the Most out of an Additional Building
5. FlexSim Healthcare Case Studies